Anlass Parlamentarische Gruppe Wald und Holz

12.08.2020 15:59:49

Der Kanton Thurgau ist auf dem Holzweg

 

Der Thurgauer Grossrat tagte im August coronabedingt in der hölzernen Festhalle in Frauenfeld. Die parlamentarische Arbeitsgruppe Wald und Holz traf sich im Anschluss im gegenüberliegenden „Tiroler Stüberl“ zum Informationsanlass bezüglich dem geplanten Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes.

Thomas Güntert
Der Kanton Thurgau besitzt mit dem Regierungsgebäude nur ein einziges grosses Bürogebäude. Weil die übrigen 17 kantonseigenen Verwaltungs-Liegenschaften kleiner und älter sind, muss der Kanton auf Mietobjekte ausweichen. Von den rund 1600 kantonalen Arbeitsplätzen in Frauenfeld sind über 900 in 25 Mietliegenschaften untergebracht, was die Abläufe erschwert. Der Kanton hat in den letzten Jahren schrittweise das Land hinter dem Regierungsgebäude gekauft und ein Entwurf für ein modernes, wirtschaftliches und effizientes Gebäude in Holzbauweise mit rund 300 Arbeitsplätzen ausgearbeitet. Der sichtbare, skelettartige Holzbau soll im Kontrast zum Regierungsgebäude stehen und positiv auf die kleinstrukturierte Vorstadt wirken. Der Grosse Rat hat im Dezember 2019 mit 107 : 3 einem Neubaukredit von 39,8 Millionen Franken zugestimmt, dem ein mittelfristiges Einsparungspotenzial von jährlich rund 630´000 Franken gegenübersteht. Am 27. September entscheidet das Thurgauer Stimmvolk, ob das Bauvorhaben realisiert wird. Die Regierungsrätin Carmen Haag bemerkte, dass der Kanton im günstigen Zinsumfeld lieber selber bauen als Miete zahlen würde und es jetzt eine gute Gelegenheit wäre, die Mietverhältnisse aufzulösen. Die durch den Neubau ausgelösten Investitionen würden wichtige Impulse für die Thurgauer Wirtschaft bringen. In den vergangenen Jahren blieben rund 75 % der öffentlichen Aufträge im eigenen Kanton, die restlichen wurden überwiegend in die Nachbarkantone St. Gallen und Zürich vergeben.

Regierungsrätin geht mit gutem Beispiel voraus

Simon Biegger bemerkte in seiner Begrüssungsrede, dass Holz für die Einen eher mit Wald, Erholung und Sport in Bezug gebracht wird und weniger für die Holzproduktion in Bezug gebracht wird. Der Geschäftsführer vom Verband Lignum Ost ist jedoch der Meinung, dass Holz wieder als Baustoff an Bedeutung gewonnen hat und noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Seine Ökobilanzen als nachwachsender Rohstoffe ist sensationell, bindets doch CO² und wenn das Holz noch von der Region bezogen wird, ist auch der grauer Energie Anteil äusserst tief und so zweifellos der Baustoff der Zukunft. „Der Kanton Thurgau hat nach der Beton-Stahl und Glasphase die richtige Richtung eingeschlagen“, betonte Carmen Haag in ihrem Referat „Weshalb der Kanton auf dem Holzweg ist“. Die Regierungsrätin wies auf den gesetzlichen Auftrag nach § 30 des Thurgauer Waldgesetzes hin, der fordert, dass der Regierungsrat dafür sorgen muss, dass die staatlichen Stellen die Verwendung von einheimischem Holz im Rahmen ihrer Möglichkeiten fördert. Zudem verlangt der § 32 der Thurgauer Waldverordnung, dass bei der Planung von kantonalen und vom Kanton subventionierten Vorhaben die Möglichkeit der Verwendung von Holz zu prüfen sei. Zu Beginn des neuen Jahrtausends baute der Kanton Thurgau die ersten einstöckigen Bauten aus Holz. Als Beispiel nannte Haag den Werkhof des kantonalen Tiefbauamts Eschlikon, der mit einer kompletten Holzschalung zum Schmuckstück im Ort wurde. Im Jahr 2004 war der Kanton am Leuchtturmprojekt Kantonsschule Wil beteiligt und 2014 entstand am Kompetenzzentrum Arenenberg in Salenstein der erste mehrgeschossige Bürobau aus Holz. Rund 70 % vom Holz kamen aus dem Schweizer Wald, ein Drittel davon aus dem Thurgauer Staatswald. Vor drei Jahren wurden beim Frauenfelder Ausbildungszentrum Galgenholz 175 Fichten zu einer offenen Holztragstruktur verarbeitet. Haag betonte, dass sich der Thurgauer Holzbau auf die Baumarten Fichte, Tanne, Buche und Esche fokussieren sollte, die 75 % des Holzvorrates im Thurgauer Wald ausmachen. Der politische Wille sei da, nachwachsender Schweizer Rohstoff zu nutzen, die Holzproduktion als wichtige Waldleistung zu fördern, die Wertschöpfungskette in der Schweiz zu behalten und ökologisch und nachhaltig zu handeln, so Haag. Laut Regierungsrätin dürfe die öffentliche Hand im Gegensatz zum privaten Bauherr zwar kein Schweizer Holz vorschreiben, aber durchaus verlangen, dass eigenes Holz verwendet wird. Die Holzproduktion, die jahrzehntelang im Fokus stand, hat in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Zurzeit sind die Holzpreise so tief, dass es sich für niemand lohnt, Holz zu schlagen. „Wegen dem Borkenkäfer muss aber viel Holz geschlagen werden“, sagte Haag. Für den Ersatzbau des Regierungsgebäudes würden grosse Mengen Käferholz aus dem Staatswald als Konstruktionsholz verarbeitet, das durch die bläuliche Verfärbung auf dem Holzmarkt nur schwer verkäuflich ist. Die Regierungsrätin würde sich an einer solchen Verfärbung allerdings nicht stören, die sie sogar passendes Zeitzeugnis am Bau bezeichnete.

Es ist Zeit, um auf den Holzzug aufzuspringen
Paul Koch, Präsident von Lignum Ost, bemerkte, dass sein Verband in der Holz Wertschöpfungskette eine Drehscheibe ist, um die Vernetzung in den verschiedenen Bereichen zu optimieren. Er stellte sein Referat unter das Motto „Was der Kanton kann, können andere auch“. Der Förster von Thurforst dankte Carmen Haag, dass auch sie auf den Holzzug aufgestiegen ist, was sie 2018 mit ihrem eigenen Holzhaus vorbildlich demonstrierte. Er bemerkte, dass Betonbauten wie beispielsweise von der Gebäudeversicherung oder der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen nicht mehr Standard sind. „Wenn wir alle Themen wie Energie, Klima, Umwelt, Ressourcen, Arbeits- und Ausbildungsplätze ernst nehmen wollen, ist das auch nötig“, betonte Koch. Rund 30 % der Schweiz und 20 % vom Thurgau sind bewaldet. In der Schweiz wachsen jedes Jahr durch Sonnenenergie rund 10 Millionen m³ Holz nach. Koch wünscht sich, dass künftig nicht nur der Kanton vermehrt mit Holz baut, sondern auch Gemeinden, Pensionskassen, Bauern, Gewerbe und Industriebetriebe. Holzbauten benötigen allerdings andere Planungen als traditionelle Massivbauten. Gerade im Kanton Thurgau stehen in diesem Bereich aber sehr fähige Architekten Planer, Unternehmer zur Verfügung und es wächst eine neue Genration an Fachleuten heran. Koch erwähnte vier Bauten, die mit dem Label „Schweizer Holz“ ausgezeichnet wurden. Neben dem Wohnhaus von Carmen Haag sind das der Neubau der Haustechnik Eugster in Arbon, der Werkhof der politischen Gemeinde Matzingen und die Mehrzweckhalle in Pfyn. „Bauen mit Holz sollte im Thurgau Standard werden“, betonte Koch.

Die Sägereien sind mitten im Prozess

Maria Brühwiler, Geschäftsführerin der Brühwiler Sägewerk und Fensterholz AG in Wiezikon, erklärte in ihrem Kurzreferat, dass in der Ostschweizer Holzindustrie alles möglich ist. Im letzten Herbst habe Martin Keller, Präsident vom Holzindustrieverband Ost, die Thurgauer Sägereien zusammengerufen und geschildert, dass der Kanton rund 10´000 m³ Käferholz verarbeiten und für verschiedene Projekte einsetzen will. Alle Sägereien waren damit einverstanden und spannen zusammen, ein positives Beispiel der Zusammenarbeit das zeigt, dass die Holzindustrie in der Lignum Ost -Region die Produkte für grosse Holzbauten bereitstellen kann. Was im Alleingang nicht möglich wäre, ist in koordinierter Vernetzung möglich. Bei Toni Horat, Geschäftsführer Thurholz, wurden bereits 3500 Festmeter Rundholz gemeldet. Etwa 1800 m³ davon wurden bereits zu rund 1000 m³ Schnittwaren verarbeitet und eingelagert. Die Suche nach Trocknungs- und Lagerkapazitäten sind immer wieder neue Herausforderungen. Maria Brühwiler betonte, dass die Kapazitäten für 10´000 m³ Rundholz vorhanden sind, obwohl die Sägereien seit dem letzten Herbst ausgelastet sind. Sorgen bereitet ihr allerdings das Restholz, das im Lohnschnittverfahren in der Säge verbleibt und verwertet werden muss, wobei auch der Markt von Hackschnitzel überfüllt ist. Sollte der Erweiterungsbau nicht gebaut werden, sieht ein Ausstiegsszenario vor, dass die Dimensionen von Rohprodukten, hauptsächlich Leimholzlamellen und Brettschichtholz für Schuler-Blockholzplatten auf dem Markt abgesetzt werden könnte und der Erlös zu Gunsten des Kantons ginge. „Bisher habe ich wenig Widerstand erfahren“, sagte Carmen Haag, die bezüglich der Abstimmung ein „uhh-gutes“ Gefühl hat. Die rund 25 Besucher der Veranstaltung konnten bei Lignum-Ost kostenlose Speckbrettli mit dem eingebrannten Entwurf des Ergänzungsbau bestellen, um die Ja Kampagne der parlamentarischen Arbeitsgruppe zu unterstützen.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

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