Auf Holz bauen - Zeichen setzen!

11.11.2020 09:13:39

Holz- und Planungsfachleute setzen starke Zeichen

 

Lignum Ost, und die Thurgauer Sektion vom Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein (SIA), trafen sich im Ittinger Wald zum Erfahrungsaustausch. Zum einen sind CO²- neutrales und nachhaltiges Bauen immer wieder neue Herausforderungen, zum anderen sorgen extrem warme und trockene Sommer und damit verbundene Borkenkäferplagen für massive Auswirkungen in den Wäldern. Die Forst- und Holzfachleute machten zusammen mit den Planungsspezialisten klar, dass sich das heutige Bauverhalten stärker auf Nachhaltigkeit und wenn immer wie möglich auf regionale Kreisläufe ausrichten soll.  Mit einer sympathischen Baumpflanzaktion setzten die Fachleute zusammen mit der Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag klare Zeichen, um dem Klimawandel entgegen zu wirken.

 

Kanton Thurgau baut mit eigenem Holz
Der Förster und Lignum-Ost Präsident Paul Koch, Kantonsrat konnte im ungewohnten Rahmen am Waldarbeiterfeuer rund 20 Personen zum Informationsanlass begrüssen. Unter ihnen war auch Carmen Haag, die Paul Koch als höchsten Chef in Doppelfunktion von Wald und Bau des Kantons willkommen hiess. Die Regierungsrätin bemerkte bei ihrer Begrüssungsrede, dass der Kanton Thurgau immer öfter und immer grösser mit Holz baut. Waren es anfangs noch die Werkhöfe, so sind es heute aus Überzeugung und dem Zeitgeist gehorchend moderne Bauten wie der Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes, den die Thurgauer Stimmbürger im September bewilligt hatten. Am 29. November stimmt das Thurgauer Stimmvolk über den Neubau einer Schulsport Turnhalle in Frauenfeld ab, die mit möglichst viel Holz aus dem Staatswald gebaut werden soll. Lignum-Ost Geschäftsführer Simon Biegger fügte hinzu, dass der Dachverband der Holzwirtschaft nach dem Murg-Auen-Turm, ein Eidgenössisches Holz-Kompetenzzentrum in Frauenfeld als weitere Vision für die Verwendung des Erlöses der Thurgauer Kantonalbank-Partizipationsscheine eingereicht hat. „Das ist eine Jahrhundertchance für den Kanton Thurgau, die Schweiz und für Europa“, betonte Biegger.  

 

Wer etwas auf sich hält, baut mit Holz

„Es geht nicht mehr nur um ein paar Wetterphänomene und die Massenvermehrung des Borkenkäfers, es verändert sich definitiv etwas in unserem Umfeld“, sagte Christoph Starck, Geschäftsführer der SIA Schweiz und forderte ein Umdenken hinsichtlich Klimaschutz und CO² neutrales Bauen. In seinem Referat „Planer stellen Weichen“ bemerkte der gelernte Forstingenieur, dass Bauen mit Holz in den letzten 15 Jahren ein Boom erlebte und faszinierend und ästhetisch herausragende Objekte realisiert wurden. „Alle Architekten, die etwas auf sich halten, wollen mit Holz bauen“, sagte Starck. Er berichtete von einer Gruppierung von jungen Architekten, die sich in Basel unter dem Namen „Countdown 2030“ zusammengeschlossen haben und bis ins Jahr 2030 das Klimaruder herumreissen wollen. Starck gab zu bedenken, dass etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs auf die Kappe des Gebäudeparks gehen und 70 % der durch Gebäude verursachten Treibhausgase bereits bei der Erstellung entstehen. Die Planer sollten darauf achten, kompakt, leicht, beständig, platz- und materialsparend zu bauen. „Wenn wir diesen Gedanken weiterspielen, landen wir unweigerlich beim Holz“, sagte Starck. Er macht auch deutlich, dass sich der SIA seit Jahren dem Thema Energie und Co2-Ausstoss widmet und Leitplanken für die Planer erarbeite. Dazu gehöre auch ein klares Ja des SIA zum revidierten CO2-Gesetzt. 


Beim Holz schliesst sich der Kreis
Josef Kolb von der Holzbauexperten GmbH, Weinfelden referierte über den Holzkreislauf, den er als Motor der Wirtschaft bezeichnete. „Ich hätte nie gedacht, dass Holz einmal einen solchen Stellenwert bekommt“, sagte Kolb, der seit Jahrzehnten mit der Holzbranche vertraut ist. Er stellte den fünfstufigen Holzkreislauf vor, der mit der Rohstoffgewinnung im Wald beginnt. In der Schweiz sind 31 % der Landesfläche bewaldet, der jährliche Zuwachs beträgt etwa 10 000 000 m³, die Nutzung des Schweizer Waldes jedoch nur bei etwa 5 000 000 m³, der Hälfte des theoretisch Möglichen. Die zweite Stufe ist die Bearbeitung von Holz als Rohstoff, bei der kurze Wege und regionale Verarbeitungsstätten von grosser Bedeutung sind. Kolb wies auf die zahlreichen Sägereien und Weiterverarbeitungsbetriebe hin, die es im Thurgau gibt und die bereit sind, in neue Techniken und Innovation zu investieren. Die dritte Stufe ist die Herstellung von Produkten und Gebäuden, bei der technologische Innovationen und moderne Werkstoffe immer anspruchsvollere Konstruktionen und Bauteile ermöglichen. In diesen Bereichen ist der Thurgau stark. Damit bezog er sich auf die stetig zunehmenden Holz-Ingenieurbüros und auf grösser und innovativer werdenden Schreinereien und Holzbaubetriebe. Er verglich eine drei Meter hohe Stützen mit der gleichen Tragkraft aus Holz und Stahl. Für die Herstellung der Holzstütze werden 60 kWh benötigt, für eine Stahlstütze etwa 510 kW/h. Die vierte Stufe ist die Nutzung und der Gebrauch der Gebäude. Strukturen, Farbgebung, Gerüche, Feuchtigkeitsaustausch und die als warm empfundene Oberfläche vom Holz bewirken ein angenehmes und gesundes Raumklima. Eindrücklich verwies der Holzexperte auf die Vorteile eines Holzbaues und gab seiner Freude Ausdruck, dass die öffentliche Hand, vor allem der Kanton selbst, vermehrt auf den einheimischen Baustoff und somit auf die eigenen Ressourcen und auf regionale Kreisläufe setze. Auch gibt es vielen Private und institutionelle Bauherren die dies vermehrt tun. Potential um in dieser Richtung vermehrt tätig zu sein, sieht er hingen bei den Investoren.  Als letztes und den Kreislauf schiessende Segment nannte Kolb die Wiederverwendung und die Rückgewinnung. Er erwähnte, dass die jährlichen Bauabfälle beim Strassenbau mit knapp vier Millionen Tonnen am höchsten sind. Beim Mischabbruch betragen sie 1,75 Millionen Tonnen und beim Holzbau lediglich 0,25 Tonnen. Er verglich auch die Kohlendioxid Emmissionen bei der Herstellung verschiedener Baustoffe. Bei der Entstehung von Holz wird Kohlendioxid gespeichert und bei allen anderen Werkstoffen wird Kohlendioxid in die Atmosphäre ausgestossen. Bei der geplanten Turnhalle in Frauenfeld würden 500 m3 Holz verarbeitet und so 130 Tonnen CO² eingespart. Kolb bemerkte, dass Holzteile immer noch zur Energiegewinnung genutzt werden können, wenn eine sinnvolle Nutzung nicht mehr möglich ist. Dabei wird Kohlenstoff abgegeben und vom Wald wieder aufgenommen, womit sich der Holzkreislauf schliesst, von dem letztendlich verschiedenste Bereiche profitieren.

Die Abschlussworte des theoretischen Teils fand der Architekt Ueli Wepfer, Präsident der SIA Thurgau: „Wenn man das heutige Bauverhalten anschaut, dann kann es einem etwas anders werden“. Er animierte die Planer und Architekten, in der Öffentlichkeit und im privaten Umfeld aufzuzeigen, dass es neben der heutigen Massenproduktion auch noch etwas anderes geben kann.

 

Holzfachleute legen Hand an

Im Anschluss an die Referate stellte Kantonsrat Paul Koch den Ittinger Wald vor, der 32 Hektaren umfasst und in dem das erste Waldreservat im Thurgau geschaffen wurde. Neben einem Naturwaldreservat, in dem man 50 Jahre lang nichts macht, befindet sich mittlerweile auch ein Sonderreservat, in dem Baumarten gefördert werden, die dem Standort angepasst sind. Das sind mittlerweile keine Fichten mehr und auch keine Schwarzpappeln, die auf den trockenen Böden Probleme bekommen. Koch bemerkte, dass man sich in einem typischen Lungenkraut Buchenwald befindet, der von der Buche dominiert wird und in dem in allen Lagen verschiedenste Baumsorten wachsen. Der Thurforst Förster stellte die verschiedenen Baumarten vor, die am heutigen Anlass gepflanzt werden. Neben der edlen Traubeneiche hatte er auch eine sanfte Winterlinde dabei, Spitzahorn, Elsbeere, Speierling und Mehlbeere. Auch die alte Hagenbuche fehlte nicht, die sehr zähes Holz hervorbringt, das früher insbesondere der Wagner brauchte. „Die Hagenbuche ist auch ein guter Begleitbaum für Eiche und Lärche“, sagte Koch. Die meisten Pflanzen wurden mit einem Quickpot gesetzt, in dem das Bäumchen gewisse Nährstoffe zur Verfügung hat, damit es keinen Pflanzschock bekommt. Carmen Haag entschied sich für die sanfte Winterlinde. Der Forstwart Sandro Sprenger zeigte der Regierungsrätin den Umgang mit der Pflanzhacke und erklärte ihr, wie ein junges Bäumchen etwa 20 Zentimeter in den Boden gesetzt wird. Im Anschluss wurden die Jungpflanzen mit Einzel Baumschützen eingehaust, die von Thurgauer Sägewerke aus Käferholz gefertigt werden. Carmen Haag bemerkte, dass auch in den Büros vom Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes bewusst sichtbares Fichten Käferholz mit der typischen Blauverfärbung verwendet wird. „Wir wollen damit ein Zeichen der Zeit setzten“, sagte die Regierungsrätin. Im Anschluss an die Pflanzaktion hatten sich die Holz- und Planungsfachleute eine warme Suppe mit Wienerli verdient und es gab einen geselligen Erfahrungsaustausch am wärmenden Lagerfeuer.

Thomas Güntert

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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