Europäische Holzmarktpreise spielen verrückt

28.04.2021 14:55:06

Bauholz ist rar und teuer geworden

 

Weil China und die USA mit horrenden Preisen die grossen deutschen und österreichischen Sägereien leerkaufen, wird der Schweizer Holzmarkt nur noch spärlich bedient. Auf den Baustellen drohen durch Materialknappheit Kurzarbeit und Baustopp. Für regionale Sägereien kann die aktuelle Situation allerdings auch eine Chance sein.

Neun Vertreter der Wertschöpfungskette Wald und Holz aus der Vorstandschaft von „Lignum Ost“ trafen sich in einer Waldhütte bei Warth (TG) und diskutierten über die angespannte Lage auf dem internationalen Holzmarkt. Der Dachverband der Ostschweizer Holzwirtschaft setzt sich insbesondere für den Einsatz vom Baustoff Schweizer Holz ein. Zurzeit wird die Holzwirtschaft allerdings durch die Preissituation und Versorgungslage stark beeinträchtigt. Durch die grosse Nachfrage aus China und den USA nach europäischem Holz, lieferten insbesondere die grossen Sägereien in Deutschland und Österreich massenhaft Holz in den Export. Der kleine Schweizer Markt wird hingegen stark vernachlässigt, wobei das Bauen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz voll im Trend liegt. Angebot und Nachfrage führten zu einer Preissteigerung von rund 35 %. Bauholz ist so wertvoll wie schon lange nicht mehr. Der Holzmarkt ist leergekauft und Lieferzeiten von einem halben Jahr sind keine Seltenheit. Simon Biegger wirft den grossen ausländischen Holzindustriebetrieben mangelnde Solidarität gegenüber ihren bisherigen Kunden vor. „Für neue Anlagen bezog man EU Fördergelder und jetzt verdient man sich in den USA ein goldenes Näschen“, sagte der Lignum Ost Geschäftsführer.

 

USA und China fegen den Holzmarkt leer

Laut dem Bundesverband der Deutschen Holz- und Sägeindustrie wurden im letzten Jahr rund 20 Millionen Kubikmeter Schnitt- und Rundholz nach China und in die USA exportiert, was einer Zunahme gegenüber 2019 von rund 80 % bedeutet. China verschifft mittlerweile Container mit ungeschnittenem Rundholz. Nachdem die USA 2018 Anti-Dumping und Ausgleichszölle auf kanadische Schnittholzimporte erhob, wurde das Holz aus Europa zum braunen Gold. David Brühwiler, Vertreter vom Ostschweizer Regionalverband der Holzindustrie Schweiz bemerkte, dass das Problem schon vor zehn Jahren begann, als die kleinen Sägereien im Schwarzwald aufgehört haben und die Grossen immer grösser geworden sind. In Deutschland wird der Markt von rund 50 grossen Sägereien bestimmt. Marcel Wüthrich vom Verband Schreiner Thurgau bemerkte, dass während der Coronapandemie Produktionspersonal in Kurzarbeit geschickt und das Holz exportiert wird. „Was die grossen deutschen Sägewerke veranstalten, das ist ganz schlecht“, sagte auch David Brühwiler, der ihnen eine kompromisslose Gewinnmaximierung vorwirft.

 

Auf dem Bau fehlt Holz
Die Schweiz importiert rund 50 % vom benötigten Holz. Die Schweizer Sägereien sind am Anschlag und können die fehlende Menge kaum bereitstellen, die aus dem Ausland fehlt. Die drei grossen Schweizer Sägereien haben die Preise bereits aufgeschlagen, andere werden nachziehen. „Der Lokalmarkt funktioniert noch, doch gewisse Produkte können in der Schweiz nicht produziert werden und kommen aus dem Ausland“, sagte Lignum Ost Präsident Paul Koch. Besonders betroffen sind holzverarbeitende Betriebe wie Zimmerer, Schreiner oder Fensterbauer, die Projekte mit Schweizer Holz zu Fixpreisen offerierten und jetzt für das Material teilweise über doppelte Preise bezahlen müssen. Insbesondere in der Holzplattenindustrie werden die Materialien aus dem Ausland bezogen. In der Schweiz gibt es zwar Rohmaterial im Überfluss, aber nur wenige Plattenfabriken. Roman Vollenweider, Präsident der Thurgauer Sektion Holzbau Schweiz, erzählte von einem Grossprojekt, bei dem es Bauverzögerungen gab, weil eine Holzdecke eine Lieferfrist von 25 Wochen hat. Mittlerweile werde überlegt, ob die Decke betoniert wird. Vollenweider bemerkte, dass eine Holzdecke etwa sieben bis acht Prozent teurer als eine Betonausführung ist, was durch die ökologischen und klimatischen Vorteile durchaus vertretbar sei. Ein Mehrpreis von 25 % werde von den Bauherren aber nicht akzeptiert. „Der Dachstuhl fertig abgebunden kostet 950 Franken pro Kubik, wenn der Holzpreis aber schon bei 880 Franken liegt, dann musst Du recht schnell sein“, sagte Vollenweider. Auch Rolf Auer von der Fensterinform GmbH ist von der aktuellen Situation stark betroffen, da viele Fensterkanten aus dem Ausland nicht geliefert werden. „Wenn die Fenster am Bau nicht drin sind, dann steht der Laden“, sagte Auer. Dem Holzbau kommt wenigstens zugute, dass andere Baustoffe wie Betonstahl, Gips, Dämmmaterialien und verschiedene Kunststoffe ebenfalls nur noch zu höheren Preisen lieferbar sind. „Wenn das aber noch länger als ein Jahr andauert, ist das sicherlich nicht förderlich für den Holzbau“, sagte Roman Vollenweider.

 

Chance für regionale Sägereien
Von der Preissteigerung profitieren die Waldbesitzer allerdings am wenigsten. Paul Koch, der das Forstrevier „Thurforst“ leitet, erntet durchschnittlich 5500 m³ Holz im Jahr. Von 2017 bis 2019 waren es jeweils knapp 10´000 m³ und im letzten Jahr etwa 14´000 m³, wobei 3´000 m³ Sturmholz und der Rest Borkenkäferholz waren. Vor vier Jahren bekam der Förster für Käferholz 70 CHF/m³. Als das Schadholz den Markt überschwemmte, sind die Preise in den Keller gefallen. In der Region wurden grosse Mengen zu Dumpingpreisen von 30 CHF/m³ nach China exportiert. Koch bemerkte, dass die Erntekosten für einen Kubikmeter Holz bei 40 bis 45 Franken liegen. Aus Solidarität zu den käfergeschädigten Waldbesitzer wurde der Einschlag von Frischholz reduziert. Die kurzfristigen Preiserhöhungen lagen bei den Holzproduzenten bei fünf bis zehn Franken pro Kubikmeter, wodurch noch kein Gewinn erwirtschaftet werden kann. „Die Situation im Wald hat sich also nicht sehr verändert, das Holz ist noch zu billig“, sagte Koch. Von der Holzpreiserhöhung profitieren insbesondere Holzhändler und Sägereibesitzer. Simon Biegger sieht in der aktuellen Situation allerdings eine Chance für kleine und mittelständige Schweizer Sägereien, die mit der regionalen Wirtschaft verwurzelt sind und ihre Betriebe modernisieren und die Kapazitäten erhöhen. In den letzten 20 Jahren sind in der Schweiz 30 Sägewerke verschwunden, weil sie nicht mehr rentabel waren. „Wenn der neue US-Präsident Joe Biden die Zölle wieder abschafft, kann sich die Situation schnell wieder verändern“, sagte Jochen Breschan, stellvertretender Forstingenieur vom Kanton Thurgau.

 

  

von Thomas Güntert

  

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

Hauptträger
  • Der Schreiner
  • Natürli Zürioberland
  • Schmid AG, energy solutions
  • WaldThurgau
  • Holzwerkstoffe Frauenfeld AG
  • Holzbau Schweiz
  • Verwaltung Thurgau

  • Lignum Ost
    Amriswilerstrasse 12 • CH-8570 Weinfelden

    Telefon +41 77 522 89 41

     

    Abonnieren Sie unseren Newsletter