GV Holzenergie TG

13.05.2022 15:43:58

Der Kanton Thurgau ist auf dem Holzweg

 

Die kantonale Beratungsstelle «Holzenergie Thurgau» will mit einer gezielten Netzwerkarbeit Holz-Wärmeverbände fördern. Bei der Jahresversammlung wurde kontrovers darüber diskutiert.
«Holzenergie Thurgau» ist eine vom Kanton beauftragte Arbeitsgruppe des Dachverbandes der Thurgauer Holzwirtschaft «Lignum Ost». Sie führt spezielle Informationsveranstaltungen durch und vermittelt regionale Kontakte in der Holzbranche. Zudem werden spezielle Beratungen durch Experten aus der Arbeitsgruppe durchgeführt, in der Heizungshersteller, Planer, Architekten, Ingenieure, Waldbesitzer, Pelletsproduzenten und Ascheentsorger vertreten sind. «Holzenergie Thurgau» Präsident Paul Koch bemerkte, dass Erstberatungen bezüglich der Nutzung von Holz als Energieträger kostenlos sind und der Kanton seit dem 1. April bei den Fachberatungen vor Ort auch den bisherigen Eigenanteil von 100 Franken übernimmt. Der Geschäftsführer Simon Biegger animierte die Arbeitsgruppe, das Beratungsangebot in ihren jeweiligen Netzwerken zu bewerben. Biegger präsentierte auch eine ausgeglichene Jahresrechnung 2021 und das Budget 2022. Der Kantonsbeitrag wird überwiegend für Erst- und Fachberatungen, öffentliche Informationsveranstaltungen, Weiterbildungsangebote und die Administration aufgewendet. In diesem Jahr wurden bereits einige Events durchgeführt. „Es sind noch vier Informationsveranstaltungen geplant, eine davon über Wärmeverbund in Kombination mit Solarthermie“, sagte Biegger. Die Zielgruppe sind Gemeindevertreter, private Investoren und Interessenten von kleineren Wärmeverbünden.


Holz soll nur verheizt werden, wenn es Sinn macht
Die zehn Mitglieder der Arbeitsgruppe kommen aus unterschiedlichen Bereichen und diskutierten kontrovers über Wärmeverbünde mit Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen, die mit Blockheizkraftwerken Wärme und Elektrizität produzieren. „Die Leute wollen definitiv weg von den fossilen Brennstoffen und sind sogar bereit, mehr dafür zu bezahlen“, sagte Luigi Renda, der heutzutage keine grossen Wärmeverbünde mit fossilen Notheizungen mehr planen würde. Paul Koch bemerkte, dass die benötigten Notheizungen für Sommerbetrieb oder Spitzenlasten beispielsweise auch durch Pelletsheizungen gewährleistet werden könnten und schlug vor, dass einige Referenten bei einer speziellen Veranstaltung verschiedene Modelle vorstellen sollten. „Dem Holz müssen wir so langsam Sorge tragen“, betonte Koch. Rainer Jahnke von der Abteilung Energie brachte die Frage zur Diskussion ein, ob rosse Holzfeuerungen künftig nicht nur Wärme, sondern auch Strom produzieren sollten. Künftig geht man davon aus, dass Strom im Winter teurer wird, wenn die Energiegewinnung aus den Speicherseen reduziert ist und die Stromlücke vom Ausland abgedeckt werden muss. Luigi Renda würde die Förderung anders aufgleisen: Es sollten nicht Projekte gefördert werden, die sowieso gemacht werden, sondern solche, bei denen die Leute noch zurückhaltend sind, wie beispielsweise bei der Batteriespeicherung. Zum Schluss der Versammlung wurde Paul Rickenmann verabschiedet, der vor 20 Jahren die Vorgängerorganisation «Pro Holz Thurgau» mitbegründete und jahrelang als Präsident führte.
Heizungsgigant neben der Zuckerfabrik
Im Anschluss an den offiziellen Teil führte Stefan Ellenbroek, Projektleiter Erneuerbare Energien bei «Energie 360°AG» und Geschäftsführer bei «Bioenergie Frauenfeld», die Fachleute durch das Heizkraftwerk, das neben der Zuckerfabrik für rund 45 Millionen Franken gebaut wurde und seit Anfang Mai voll in Betrieb ist. Die Holzfachleute waren beeindruckt von der Technologie der österreichischen Firma «Syncraft». Das unbehandelte Holz wird in einer ersten Stufe getrocknet und danach verkohlt. Bei einer Temperatur von 900 Grad wird Gas aus dem Holz gewonnen und in vier 20-Zylinder Gasmotoren geleitet, die über Generatoren jährlich etwa 30 Millionen KWh Strom produzieren, womit etwa 8´000 Haushalte versorgt werden können. Die Abwärme wird der «Schweizer Zucker AG» und dem Wärmeverbund «Thurplus» zugeführt und die Pflanzenkohle in der Land- und Bauwirtschaft verwertet. Im Jahr werden aus rund 25´000 Tonnen Holz, das aus einem Umkreis von 50 Kilometer angeliefert wird, etwa 3´500 Tonnen Bio-Pflanzenkohle produziert, Dem Kreislauf können dadurch jährlich rund 10‘000 Tonnen CO2 entzogen werden. Die Anlage läuft rund um die Uhr und ist auf 20 Betriebsjahre ausgelegt. Für den Betrieb werden sechs Vollzeitstellen benötigt. „Es ist die beste Technologie, um möglichst viel Strom mit Holz zu produzieren“, sagte Ellenbroek. Der Stromwirkungsgrad bezüglich des Gases beträgt 45 %, bezüglich des Brennstoffes 30 %. Von den Fachleuten wurde kritisch hinterfragt, warum nur 75 % der Abwärme genutzt werden. Ellenbroek entgegnete, dass durch den Ausbau des Wärmeverbundes und weitere Wärmeprojekte die produzierte Wärme vom Holzkraftwerk mittelfristig nicht mehr ausreichen wird.

Bericht von Thomas Güntert

 

 


 

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