'Heizen mit gutem Gewissen' - Schmid AG Eschlikon

20.04.2022 09:32:48

Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen

Bei einer öffentlichen Veranstaltung informierte Lignum Ost als Dachverband der Thurgauer Holzwirtschaft und Mandatsträgerin von «Holzenergie Thurgau» über nachhaltige Heizsysteme und die Förderbeiträge, die es dafür gibt.


Paul Koch konnte bei der «Schmid AG, energy solutions» in Eschlikon rund 40 Personen zum Informationsanlass «Heizen mit gutem Gewissen» begrüssen. Der Präsident von «Lignum Ost» und «Holzenergie Thurgau» bemerkte, dass Holzheizungen immer mehr zu Alternativen von Öl- und Gasheizungsanlagen werden und das Thema durch den Ukrainekrieg besonders brisant geworden ist. Durch die daraus resultierenden Preissteigerungen und eingeschränkten Verfügbarkeiten hat sich die Versorgungslage von fossilen Brennstoffen in den letzten Wochen zugespitzt.


Holzheizungsanlagen sind enorm besser geworden
Im Einführungsreferat zeigte Andreas Keel auf, wie sich die Holzenergie in der Schweiz entwickelt hat. Keel ist Geschäftsführer von «Holzenergie Schweiz», in dem sich Vertreter von Energietechnik, Wald- und Holzwirtschaft zusammengeschlossen haben. Er bemerkte, dass die Anzahl der Holzheizungen seit 1990 von rund 690´000 auf 540´000 zurückgegangen ist. Einen grossen Anteil an dieser Entwicklung haben die Stückholzanlagen, die sich von 689´184 auf 497´230 reduzierten. Obwohl auch der jährliche Holzverbrauch bei den Stückholzheizungen von 2,4 Mio. m³ auf 1,1 Mio. m³ zurückgegangen ist, ist der gesamte Holzverbrauch von 3,25 Mio. m³ auf 5,5 Mio. m³ angestiegen. Die Anzahl der 3287 Hackschnitzelanlagen im Jahr 1990 haben sich mehr als verdreifacht und benötigen mittlerweile rund 1,9 Mio. m³ Holz. Auch der Anteil von Altholzfeuerungen /Wärme-Kraft-Kopplungen ist von 22 auf 100 Anlagen massiv gestiegen. Ebenso der dafür benötigte Holzverbrauch von 175´000 m³ auf knapp 1,5 Mio. m³. Mit 30 Kehrrichtverbrennungsanlagen gibt es in der Schweiz heute zwar nur vier mehr als 1990, doch der Holzverbrauch von 235´000 m³ hat sich fast verdoppelt. Mittlerweile gibt es in der Schweiz auch knapp 30´000 Heizungen, die mit aus Sägemehl, Hobelspänen und Hackschnitzel gefertigten Pellets betrieben werden. Im Schweizer Wald wachsen jedes Jahr rund 10 Mio. m³ nach. Im Vergleich dazu wurden im Jahr 2020 rund 5,6 Mio. m³ Holz genutzt und über 2 Mio. m³ brachliegendes Material wäre noch verfügbar gewesen. „Die Holzenergie ist die einfachste und sozialverträglichste Massnahme gegen den Klimawandel“, betonte Keel und bemerkte, dass im Jahr 2019 in der Schweiz 46 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen entstanden sind und durch den Einsatz der Holzenergie jedes Jahr über drei Millionen Tonnen eingespart werden.


Strom kann knapp und teuer werden
Bei den Investitionskosten liegt eine Pelletsheizung mit rund 40´000 Franken etwa so hoch wie eine Luft-Wärmepumpe. Eine Heizölanlage ist etwa 25´000 Franken deutlich billiger und eine Wärmepumpe mit Erdsonde um rund 20´000 Franken erheblich teurer. Im Jahreskostenvergleich mit einer Ölheizung mit einem Jahresverbrauch von 2200 Liter liegen die unterschiedlichen Heizsysteme zwischen 3100 Franken (Luft-Wärmepumpe) und 3900 Franken (Pelletsheizung). Bezüglich der Wärmepumpen wurde die ausreichende langfristige Verfügbarkeit vom Strommix aus 58 % Wasserkraft, 33 % Kernkraft, 2,3 % fossilen und 6,7 % erneuerbaren Energien in Frage gestellt. Eine Studie der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA hat bei einem Szenario von 25% elektrischer Mobilität und 75 % Heizung durch Wärmepumpen einen zusätzlichen Strombedarf von knapp sechs Gigawatt Leistung errechnet, was etwa der sechsfachen Menge entspricht, die das AKW Gösgen produziert. Die Schweiz importiert bereits etwa 19 % Strom, wobei ein Grossteil davon aus Deutschland kommt. Wenn das Nachbarland allerdings aus Kohle- und Atomenergie aussteigen wird, werden Importe in dieser Menge nicht mehr verfügbar sein.


Beispiele aus der Praxis
Hansjürg Mischler stellte verschiedene Heizsysteme mit unterschiedlichen Energieträgern vor. Energiebohrungen steht der Heizungsfachmann eher kritisch gegenüber und Solarheizungen sieht er allenfalls als mögliche Unterstützung von anderen Heizanlagen. Mischler erklärte auch, wie ein Heizungsumbau von Öl zu Pellets erfolgen kann. Roger Lehmann und Reto Koller von der Schmid AG erklärten in Praxisbeispielen Wärmepumpen- und Holzschnitzelheizungen. Koller ging auf die technischen Möglichkeiten beim Umbau auf Hackschnitzelheizungen ein, während Lehmann einen Kostenvergleich bei einem Einfamilienhaus im Kanton Thurgau mit einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 3000 Liter Öl machte. Die jährlichen Energiekosten lägen bei einer Wärmepumpe bei rund 1300 Franken und die gesamten jährlichen Kosteneinsparungen gegenüber einer Ölheizung würden etwa 2400 Franken betragen. Zudem besteht bei einer Wärmepumpe im Sommer durch den Rücklauf die Möglichkeit der Raumkühlung.


Nachhaltige Energie wird gefördert
Simon Biegger gab einen Überblick über die Fördergelder vom Kanton Thurgau. Der Geschäftsführer von «Lignum Ost» und «Holzenergie Thurgau» bemerkte, dass ein Zuschuss für ein Heizungsersatz nur für mindestens fünf Jahre alte Gebäude mit Heizungsbedarf gezahlt wird. Für Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es einmalig 7´000 Franken, für Mehrfamilienhäuser mit mindestens drei Wohnungen 12´000 Franken. Falls keine Heizöl-, Erdgas- oder Elektroheizung ersetzt wird, reduziert sich der Förderbeitrag auf 30% der Beiträge. Bei automatischen Holzfeuerungen gibt es über 20 kW Nennleistung für jedes weitere Kilowatt 250 Franken extra. Zudem werden Partikelabscheider mit einem Zusatzbeitrag von 1000 Franken gefördert. Beim Anschluss von einem mindestens fünf Jahre alten Gebäude an ein Wärmenetz, wird ein Ein- und Zweifamilienhaus mit 8000 Franken und ein Mehrfamilienhaus mit 14´000 Franken subventioniert. Ab einer Nennleistung von 70 kW gibt es 100 Franken für jedes weitere kW. Der Förderbeitrag reduziert sich auf 50% der Beiträge, wenn keine Heizöl-, Erdgas- oder Elektroheizung ersetzt wird. Neubauten und Erweiterungen von Wärmeerzeugungsanlagen mit Wärmenetz bekommen eine Förderung von 200 Fr./ MWh/a, Neubauten und Erweiterungen von Wärmenetzen 50 Fr./MWh. Bei einer Wärmekraftkopplungsanlage muss die Abwärme allerdings vollständig genutzt werden. Der Kanton Thurgau fördert auch Machbarkeitsstudien bis 30´000 Franken mit 50 % der Kosten. Sie muss aber durch eine Fachperson ausgeführt werden, ein technisches Problem lösen und realisierbar sein. Biegger bemerkte, dass Fördergesuche vor dem Baubeginn eingereicht werden müssen und vor der Realisation die Förderzusage abgewartet werden sollte. Die Auszahlung erfolgt nach Projektabschluss. Grundsätzlich sind Erstberatungen zu Themen rund um die Nutzung von Holz als Energieträger durch die Informationsstelle «Holzenergie Thurgau» kostenlos. Seit dem 1. April werden auch die Kosten für Fachberatungen vor Ort von Kanton/Bund übernommen. Die Beratungen werden durch einen Experten aus der Arbeitsgruppe von «Holzenergie Thurgau» durchgeführt, in der Heizungshersteller, Planer, Architekten, Ingenieure, Waldbesitzer, Pelletsproduzenten und Ascheentsorger vertreten sind. Das kantonale Förderprogramm ist auf «www.energiefoerderung.ch» aufgeschaltet. 


Lieferengpässe bei Strom und Pellets
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurden die Referenten auf Holzpelletsheizungen angesprochen, bei denen sich der Bedarf seit 2014 von 200´000 Tonnen Pellets nahezu verdoppelte und für die in diesem Jahr vermutlich 500´000 Tonnen benötigt werden. Die Schweizer Produktion liegt bei rund 330´000 Tonnen und die Lücke konnte bisher durch Importe gefüllt werden. Zudem sind die Preise für Pellets seit dem letzten Oktober von 300 Fr./t. auf 450 Fr./t gestiegen. Ein Besucher bemerkte, dass es in Frauenfeld ein neues Holzkraftwerk gibt, das im letzten Jahr im Umkreis von 50 Kilometer sämtliches Restholz verbrauchte. Zudem entstehen weitere grosse Kraftwerke, wie die geplante Anlage der Stadt Zürich mit einer Leistung von 100´000 KW, die etwa 270´000 m³ Waldholz benötigt. Grossanlagen haben teilweise Probleme, genügend Altholz zu bekommen und sind dadurch auch abhängig vom Ausland. In Basel wird beispielsweise ein Kraftwerk gebaut, das mit Holz aus Frankreich auch eigene Pellets produziert. Andreas Keel betonte jedoch, dass für kleinere Anlagen immer noch genügend Holz verfügbar ist. In der Schweiz gehört der grösste Teil vom Wald den Gemeinden, die eine regionale Versorgung gewährleisten können. „Je kleiner die Anlagen, umso vernünftiger ist der Schritt, sagte Keel und zog das Fazit „Wenn möglich, sollte immer mit Holz geheizt werden“.

Bericht von Thomas Güntert

 

Bericht Thurgauer Bauer

 


 

 

 

 

 

 

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