Herbst Event Lignum Ost 2026

15.10.2026 15:00:56

Der Weg vom stehenden Baum bis in die warme Stube

Beim gemeinsamen Herbstevent von Lignum Ost und Holzenergie Thurgau in Pfyn standen die maschinelle Holzernte, die Energieholznutzung und der Regionale Wärmeverbund Pfyn im Mittelpunkt. Demonstriert wurden die effiziente, vollmechanisierte Holzernte mit Harvester (Vollernter) und Forwarder sowie die anschliessende Verarbeitung zu Hackschnitzeln.

(max) Paul Koch, Präsident von Lignum Ost, konnte auf dem Landwirtschaftsbetrieb von Markus Steinegger in Pfyn rund 40 Holzfachleute zum Herbstevent begrüssen, zu dem Lignum Ost und Holzenergie Thurgau eingeladen hatten. Revierförster Urs Bühler, der das rund 800 Hektaren umfassende Forstrevier Müllheim mit rund 300 Waldbesitzern in Müllheim, Wigoltingen und Pfyn betreut, führte die Gruppe in einen ehemaligen Fichtenbaumbestand, der nach dem Sturm Lothar und massivem Käferbefall abgeräumt und durch Naturverjüngung und der Pflanzung von einigen wenigen Ahorn-, Kirsch- und Eichenbäumen wieder aufgebaut wurde. Der dicht bewachsene Wald muss durchforstet werden, weil wertvolle Zukunftsbäume und Lichtbaumarten nicht aufkommen können. Der Kronenraum soll wieder mehr Platz erhalten und die Baumarten stärker durchmischt werden, damit sich die Risiken in der Waldbewirtschaftung reduzieren lassen. Bei einer manuellen Durchforstung mit der Motorsäge würden die Bäume zerkleinert und der wertvolle Rohstoff Holz im Bestand verbleiben. Dies lohnt sich aber nicht, da der Aufwand mit Pflegebeiträgen des Forstamts meistens nicht gedeckt oder je nach Baumartenzusammensetzung nicht angerechnet werden kann. Bühler hat sich deshalb für die vollmechanisierte Variante mit Vollernter und Forwarder, der Holzentnahme aus dem Bestand und der weiteren Holzverwertung entschieden. Das anfallende Energieholz kann im Umkreis von fünf Kilometern in diverse Holzschnitzelheizungen geliefert werden und ist somit ein Paradebeispiel regionaler Wertschöpfung.

Die Maschinelle Holzernte
Der Co-Geschäftsführer Andi Marti stellte die Engeli & Marti Forstunternehmung AG aus Müllheim vor, in der die vier beschäftigten Forstwarte hauptsächlich in der maschinellen Holzernte beschäftigt sind. Das Unternehmen ist im Thurgau und den Kantonen St. Gallen, Appenzell und Zürich tätig und macht auch Baum- und Landschaftspflege, spezialisierte Holzhauerei und Holzvermarktung. Seit über 20 Jahren bewirtschaftet das Forstunternehmen den Wald der Bürgergemeinde Müllheim. Der Maschinenpark umfasst zwei Harvester, die 600´000 Franken und mehr kosten und zwei Forwarder mit einem Neuwert von rund 400´000 Franken. Die Maschinen können bis zu 40 Prozent steile Hänge befahren. „In diesem trockenen Sommer hatten wir Traumbedingungen bezüglich der Bodenbeschaffenheit“, sagte Marti, der sogar in Feuchtgebieten holzen konnte. Die Gerätschaften können zudem mit Ketten oder Raupen ausgerüstet werden oder mit einer speziellen Seilwinde im Hang gesichert, womit die Maschinen noch steigfähiger werden und das Gewicht besser auf die Fläche verteilt wird. Marti erklärte, dass mit dem Harvester die Bäume nur bis zu einem gewissen Stammdurchmesser gefällt und aufgearbeitet werden können. Bei grösseren Beständen unterstützt ein Handholzer die Arbeiten, indem er die dicken Bäume mit der Motorsäge fällt.


Das Herzstück ist das Fällaggregat
Der sechsrädrige Harvester „Komatsu 901TX.1“ von Engeli & Marti wiegt 18 Tonnen. Das hohe Gewicht ist unter anderem auf das Gegengewicht für den Parallelkran zurückzuführen, der für schnelle Hin- und Her Bewegungen konzipiert ist und bis zu elf Meter in den Bestand greifen kann. Das Fällaggregat ist mit mehreren Greifarmen ausgerüstet, mit denen der Baum fixiert und anschliessend mit einem ausschwenkbaren Kettensägenschwert abgesägt wird. Danach ziehen mehrere Vorschubwalzen den Stamm durch das Aggregat, wodurch die Äste von speziellen Entastungsmessern entfernt werden. Der Bordcomputer kann anhand von Durchmesser und Länge die optimale Schnittlänge berechnen, damit der Stamm entsprechend aufgearbeitet werden kann. Der Harvester legt die fertigen Holzstücke je nach Holzart, Durchmesser oder vorgesehenem Holzsortiment im Gelände ab. Anschließend fährt der Forwarder in den Bestand, lädt das Holz mit dem Kran auf und transportiert es zu einem Zwischenlagerplatz. Der achträdrige Forwarder „Komatsu 845“ hat ein Ladevolumen von ca. 14 Kubikmetern, welches durch seitliches Ausklappen der Rungen um rund einen Viertel erhöht werden kann. Zudem kann der Forwarder mit einem kleinen Fällaggregat ausgerüstet werden und dadurch Durchforstungen in dünnen Beständen oder Landschaftspflegearbeiten selbstständig ausführen. „Die Arbeitssicherheit ist ein wesentlicher Punkt der maschinellen Holzernte“, betonte Marti. Weitere Vorteile sind, dass Jungbestände geschont werden, wenn alte Bäume gezielt aus dem Bestand gehoben werden, sowie die hohe Arbeitsleistung in einer kurzen Zeit. Marti bemerkte, dass der Vollerntereinsatz in der Öffentlichkeit insbesondere grob und brachial wahrgenommen wird, wenn grössere Flächen durchforstet oder wegen Sturmschäden oder Borkenkäferbefall vollständig abgeräumt werden müssen. Er wies darauf hin, dass Rückegassen häufig mit Astmatratzen geschützt und Schäden an den Waldstrassen minim sind, da das Holz transportiert wird und nicht über den Boden geschleift. Die Kostenfaktoren für eine maschinelle Holzernte sind unter anderem Baumart, der Stammdurchmesser, die Grösse des Holzschlages, das Gelände und die Abstände der Rückegassen.


Der Mercedes unter den Holzhacker
Toni Gähler von der Aschmann Land- und Umwelttechnik aus Illhart stellte seinen «Albach Diamant 2000» vor, den sie vor drei Jahren für rund 800´000 Franken angeschafft hatten, um die Leistungsfähigkeit und die Hackschnitzelqualitäten zu steigern, damit sie weiterhin auf dem Markt bestehen können. «Wir haben uns für diese Maschine entschieden, weil sie im Moment der Mercedes unter den Holzhackern ist» sagte Gähler. Der 790 PS starke Hochleistungs-Holzhacker hat eine Einzugsbreite von 1,23 Meter, eine Einzugshöhe von 98 Zentimeter und eine Kranreichweite von zehn Metern. Im Betrieb wird eine 34 Kubikmeter fassende Abrollmulde in etwa neun Minuten gefüllt. Gähler bemerkte, dass ein Kubikmeter Hackschnitzel einem Energiegehalt von rund 80 Liter Heizöl entspricht und für die Produktion eines Kubikmeters Holzschnitzels einschliesslich des Einsatzes der Transportfahrzeuge lediglich knapp ein Liter Diesel benötigt werden.


Das Nullrundenspiel
Bühler erklärte, dass er die dickeren Stämme aussortiert und für 50 Franken pro Ster als Brennholz verkauft. Mit dem dünnen Material aus dem zweieinhalb Hektaren grossen Waldstück werden 400 bis 450 Schüttraummeter (SRM) Holzschnitzel produziert. Bei einem Preis von 18 Franken pro SRM ergibt dies einen Ertrag von etwa 7500 Franken. Der Gesamtaufwand für die Durchforstung beträgt rund 10´000 Franken. Die Differenz wird weitgehend durch Beiträge des Forstamts abgedeckt, die es für eine standortgerechte Jungwaldpflege ausgerichtet werden. Bühler bemerkte, dass es für Fichtenbestände nur Beiträge gibt, wenn der Bodentyp einen Nadelholzanteil von 30 Prozent zulässt. „Auf trockenen Böden Fichten pflanzen soll man nicht mit öffentlichen Geldern fördern“, sagte Bühler. Daneben erhält er noch einige wenige Beträge für die Waldrandpflege. „Wenn der Förster eine schlaue Vorbereitung macht, indem er die Gassen und die Bäume gut sichtbar markiert, gut erreichbare Zwischenlagerplätze einrichtet und für den Unternehmereinsatz alles optimal vorbereitet, ist die Chance auf eine schwarze Null gut“, sagt Bühler. 


Fernwärmenetz versorgt 40 Liegenschaften
Nach der praktischen Vorführung der grossen Waldmaschinen verlagerte sich die Gruppe wieder zum Landwirtschaftsbetrieb Steinegger. Dort betreibt die Genossenschaft «Wärmeverbund Pfyn« eine Heizzentrale mit Holzschnitzelfeuerung und versorgt 40 Liegenschaften mit Wärme. Die Bürgergemeinde Pfyn ist mit jährlichen 2300 SRM Holzschnitzel der Hauptlieferant der Anlage. Die Heizzentrale ist mit zwei 500 Kilowatt- und einem 200 Kilowatt-Brennofen ausgerüstet, die mit Hackschnitzel aus dem 370 m³ fassenden Hackschnitzelbunker versorgt werden. Die Anlage wird mit zwei Linien geführt, sodass bei einem Ausfall oder während den Wartungsarbeiten an einer Linie weiterhin Wärme produziert werden kann. „Die Anlage ist für Trockenholz ausgelegt, funktioniert mit weniger Leistung aber auch mit grünem Holz“, sagte Bühler. Paul Koch lud dann zum gemütlichen Ausklang in die Waldhütte „Huewies“ ein, wo das Forstunternehmen Engeli & Marti Wurst und Getränke offerierte.

Text von Thomas Güntert

 

 


 

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