Holzasche verwerten statt entsorgen - Anlass Holzenergie TG

26.11.2025 11:33:18

Holzasche gehört nicht in die Deponie

Obwohl Asche aus naturbelassenem Holz wertvolle Mineralstoffe enthält, wird sie überwiegend entsorgt. Bei einem Infoanlass von «Holzenergie Thurgau» wurde aufgezeigt, dass dieses Abfallprodukt als Rohstoff in der Zementproduktion oder als Dünger eingesetzt werden kann.

Thomas Güntert

Paul Koch konnte in der Kartause Ittingen rund 50 Vertreter der Wertschöpfungskette Holz zur Informationsveranstaltung von «Holzenergie Thurgau» begrüssen, bei der es darum ging, wie man Holzasche verwerten statt entsorgen kann. „Seit mindestens 15 Jahren beschäftigt mich die Holzasche und die Frage, wie man eine sinnvolle Lösung dafür finden kann“ sagte der pensionierte Betriebsleiter von Thurforst und Präsident der kantonalen Beratungsstelle, die bei Lignum Ost, dem Thurgauer Dachverband der Wald- und Holzwirtschaft, angesiedelt ist. Die Kartause verheizt in einer Holzschnitzelheizung jährlich rund 2000 Kubikmeter Hackschnitzel, was etwa 166´000 Liter Heizöl entspricht. Hackschnitzelanlagen produzieren Aschenmengen zwischen einem bis drei Prozent der Brennstoffmenge, wobei Rindenanteil, Feuchtigkeit und Verunreinigungen den Schadstoffgehalt deutlich beeinflussen. Holzasche enthält aber auch wichtige Mineralstoffe wie beispielsweise Kalzium, Kalium, Magnesium, Phosphor oder Silicium. Bei der Infoveranstaltung stellte die Firma Amstutz Holzenergie AG aus Emmen (LU) ihre Verwertungslösung für anfallende Holzaschen aus Holzheizungen vor. In kurzer Zeit wurde aus den metallenen Asche-Containern rund 900 Kilogramm abgekühlte Holzasche staubfrei abgesaugt, die dann ins Zementwerk Wildegg (AG) als Rohstoff für die Zementproduktion angeliefert wird. „Asche aus Altholz wird aufgrund ihrer Schwermetallbelastung weiterhin in der Deponie Cholwald in Ennetmoos (NW) entsorgt“, erklärte der LKW-Chauffeur Kevin Amstutz.
Holzasche kommt in die Kreislaufwirtschaft
Im Anschluss an die praktische Vorführung gab es drei interessante Referate.
Dominik Berchtold stellte das Familienunternehmen Amstutz Holzenergie vor, bei dem er für das Aschenmanagement zuständig ist. „Wir haben den Anspruch, den Wertstoffkreislauf zu schliessen, CO₂ Emissionen einzusparen und die Deponien zu entlasten“, sagte Berchtold. Das Unternehmen bietet Aschen-Systemlösungen von den Heizanlagen bis zur Verwertung in der Zementindustrie an und ist schweizweit unterwegs. Berchtold erläuterte, wie die Amstutz AG zusammen mit Jura-Cement in den letzten drei Jahren die Einbindung der Asche in den Wertstoffkreislauf entwickelt hat. Auf einer eigenen Anlage wird sie gemischt, befeuchtet und von Eisenmetallen befreit und das daraus entstehende homogene Material direkt in die Zementproduktion übergeben. Durch den Einsatz von Asche müssen weniger Mergel und Kalkstein abgebaut werden, wodurch pro Tonne Holzasche rund 400 Kilogramm CO₂ eingespart werden. In diesem Jahr wurden von der Amstutz Holzenergie AG bereits über 3500 Tonnen Asche aus naturbelassenem Holz verarbeitet.
Kanton Thurgau entsorgt die Holzasche im Nachbarkanton  
In der Schweiz gab es im Jahr 2023 inklusive Klein-Holzfeuerungen rund 511´000 Holzfeuerungsanlagen, die etwa 80´000 Tonnen Holzasche produzierten. Das Bundesamt für Umwelt unterscheidet zwischen Rostasche, die sich mit gröberen Bestandteilen im Feuerraum festsetzt und Filterasche, die mit dem Abgasstrom in die Filter mitgerissen wird. Solche Aschen weisen oft hohe Konzentrationen von Schwermetallen auf und können in Deponien des Typs D und E abgelagert werden. Patrick Walser ging auf die Problematik bei der Entsorgung der Holzasche im Kanton Thurgau ein. Der Leiter der Sektion Abfälle im Amt für Umwelt bemerkte, dass im Kanton Thurgau grössere Aschenmengen aus Holzfeuerungen mit einer Leistung von über 70 kW in einer geeigneten Deponie entsorgt werden müssen. Allerdings gibt es im ganzen Kanton keine Deponie, in der Aschen und Schlacken annehmen. Der Kanton Thurgau hat mit dem Amt für Umwelt St. Gallen eine vorläufig bis Oktober 2026 befristete Vereinbarung getroffen, dass die maximale Menge von 1000 Tonnen Holzasche aus dem ganzen Thurgau in der Deponie Tüfentobel, nordwestlich der Stadt St. Gallen, entsorgt werden darf. „Der Thurgauer Ständerat Jakob Stark hat sich in Bern dafür stark gemacht, dass es eine Anpassung der Abfallverordnung geben wird“, sagte Walser und erklärte, dass es bei der Motion Stark allgemein um die Deponierung von Holzaschen und im speziellen um die Deponierung von Filteraschen aus der Verbrennung von Altholz geht, da diese Filterasche gemäss der Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen eigentlich ab dem 1.1.2026 in eine Aufbereitung gegeben werden müsste. Mit einer dringlichen Verordnungsanpassung wird diese Frist auf 2033 verschoben. Obwohl drei Viertel der anfallenden Asche stofflich verwertet werden könnte, werden lediglich fünf Prozent in der Zementindustrie weiterverwendet und der Rest auf Deponien entsorgt, wo der Platz zunehmend knapper und teurer wird. Die Entsorgung von kleineren Mengen Asche aus Cheminées und Einzelraumfeuerungen mit naturbelassenem Holz ist über den Kehricht zulässig. Altholzasche, die durch die Verbrennung von Rückbauten entsteht, die Farben, Imprägnierungen und andere Chemikalien enthalten können, darf hingegen nicht über den Hauskehricht entsorgt werden. Weil Altholzasche in der Regel hohe Konzentrationen von Cadmium, Zink und Blei aufweist, muss sie ebenfalls in Deponien Typ D und E abgelagert werden.
Holzasche wird zu Düngemittel oder begehrtem Rohstoff
Laurent Audergon, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz erklärte, dass Asche aus naturbelassenem Holz jahrtausendelang kein lästiger Abfall war, sondern ein begehrtes natürliches Waschmittel. Bis zum Jahr 2005, als Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen als Dünger auf Feldern verteilt und dann wegen des Klärschlammskandals verboten wurde. Das Vorsorgeprinzip wurde allerdings undifferenziert angewandt und führte zur Verteufelung der Holzasche. Es wurde damals davor gewarnt, Holzasche wegen erhöhten Schwermetallgehalten landwirtschaftlich zu nutzen, weil es auch zur Belastung des Grundwassers führen könnte. Das Ausbringen von Asche im Wald oder in Gewässernähe ist in der ganzen Schweiz untersagt. Die rechtlichen Rahmen, beispielsweise von Abfallverordnungen, Düngemittelrecht oder Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung behandeln Holzasche überwiegend als Abfall statt als Ressource. „Wir finden es verrückt, wenn Holzasche im Abfall landet“, sagte Koch. Zur Kreislaufwirtschaft gehört auch die Nutzung der aus der Holzenergie anfallenden Asche von naturbelassenem Holz, die ein viel grösseres Potenzial hat, als dass sie entsorgt werden müsste. „Die Verwertung ist technisch und ökologisch möglich, aber regulatorisch und psychologisch gehemmt“, sagte Audergon und bemerkte, dass Privatpersonen gute Erfahrung machen, indem sie die Asche aus naturbelassenem Holz dem Kompost beimischen. In der Schweiz ist Holzasche als Zusatzstoff bei der Kompostierung allerdings nur Privatpersonen erlaubt, wohingegen es in Deutschland und Österreich ein Ökolabel für Holzasche als Zusatzstoff für die Kompostierung gibt, der in die Schweiz sogar importiert wird. „In Deutschland und Finnland werden zudem Waldwege aus Lehm und Holzasche als Ersatz für Branntkalk gebaut, was einem kohlenstoffarmen Infrastrukturbau entspricht“, erläuterte Audergon. Holzasche hat auch ein Rekarbonatisierungspotenzial für saure Böden und könnte in Zukunft eine massgebende Rolle als natürliche Negativemissionstechnologie spielen. Asche aus naturbelassenem Holz besteht im Durchschnitt zu 26 Prozent aus Kaliumoxid und darf gemäss dem Forschungsinstitut Agroscope in naher Zukunft in der Landwirtschaft als Ersatz von importierten Kaliumdünger stofflich verwertet werden. „Gemäss dem Prinzip «von der Region für die Region“, erwähnte Audergon und bemerkte, dass der Schweizerische Bauernverband das konsequente Schliessen von Stoffkreisläufen auch unterstützt. Von 2023 bis 2025 haben Agroscope Nyon und die Fachhochschule Yverdon eine sehr umfangreiche Studie zur Verwertung von Asche aus naturbelassenem Holz gemacht. Die Schlussfolgerung ergab, dass die Wiederverwertung zur Herstellung von Kalidünger aus ökologischer Sicht akzeptabel ist, insbesondere wenn Holzaschen aus verschiedenen Quellen gemischt wird.

 

  


 

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