Label 'Schweizer Holz' vergeben bei Andreas Elliker

07.12.2020 14:22:57

Ausgezeichneter Stall auf dem Frauenfelder Bachhof

 

Thomas Güntert

 

In der Nacht vom 11. Oktober 2019 brannte der Stall vom Frauenfelder Bachhof zum zweiten Mal ab. Der 34- jährige Meisterlandwirt und SVP Stadtrat Andreas Elliker hat dann ein eingeschossiges landwirtschaftliches Ökonomiegebäude erstellt, in dem er bereits ein Jahr später den Stall wieder in Betrieb nehmen konnte.
Am letzten Montag wurde der neue Milchviehstall vom Biolandwirt Andreas Elliker in Frauenfeld vom Dachverband der Thurgauer Holzwirtschaft, „Lignum Ost“ mit dem Label „Schweizer Holz“ ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird vergeben, wenn bei einem Bauobjekt über 80 % Schweizer Holz verbaut wird. Der Lignum Ost Präsident Paul Koch dankte dem Bauherr, dass er den regionalen Baustoff Holz verwendete und die Wertschöpfung in der Region bleiben konnte. „Hinter der Region stehen Lehrlinge, Planer, Handwerker und Fachleute, die Arbeit bekommen haben, hier Steuern zahlen und hier auch ihr Geld ausgeben“, sagte Koch, der den Neubau als Vorzeigeobjekt für die Wertschöpfung bezeichnete. Er kritisierte, dass bestellfertige Hallen gebaut werden, wo das Holz und teilweise auch die Monteure aus dem Ausland kommen. „Wo ist dort die Wertschöpfung, sicher nicht bei uns in der Schweiz“, sagte Koch. Einen kleinen „Gingg ans Bein“ bezüglich der zunehmenden Bautätigkeiten in der Landwirtschaft bekam die anwesende Co-Präsidentin des Thurgauer Landwirtschaftsverbandes, Maja Grunder: „Ihr seid angewiesen auf Leute, die hier eure Produkte kaufen, dann erwarte ich auch, dass die Landwirtschaft solche Objekte mit Schweizer Holz baut“, sagte Koch.


Auf Total Optimierung wurde zugunsten von Schweizer Holz verzichtet 

Beim Neubau von Andreas Elliker wurden über 400 m³ geschnittenes Holz verarbeitet, was etwa der doppelten Menge Rundholz entspricht. Etwa die Hälfte waren Bretter und Schnittwaren, 170 m³ Massivholz und 45 m³ Schalungen und Verkleidungen. Der Holzkostenanteil am rund 2,7 Millionen Projekt betrug rund 200´000 Franken. Reto Gentsch, Geschäftsinhaber der Schwendimann Holzbau AG in Stammheim, bemerkte, dass das Einsparpotenzial beim Holz bei einer Total Optimierung allenfalls bei 15´000 Franken gelegen hätte. Die Fassadenschalung wäre aus dem Ausland nicht billiger gewesen und beim Massivholz wäre der Unterschied durch die kurzen Wege zu den Sägereien Keller AG, Stammheim und Brühwiler AG, Balterswil verschwindend gering gewesen. „Beim Brettschichtholz wären die Ersparnisse unter 10 % ausgefallen“, sagte Gentsch. Der Abschluss von dem Bau hatte für ihn eine besondere Bedeutung im Bezug auf das Miteinander. Gentsch war beeindruckt über die Solidarität in der Nachbarschaft und wie in der nächsten Umgebung nach dem Brand geholfen wurde.

 

Starke Familienbande
Der Bau wurde von den Holzbaubetrieben Schwendimann Holzbau AG, Stammheim und Krähenbühl Holzbau AG, Thundorf ausgeführt. Andreas Elliker zeigte sich erfreut, dass Familie und Nachbarschaft bei der Ausschreibung berücksichtigt werden konnte. „Obwohl auch sie dem knallharten Preiskampf ausgesetzt waren“, sagte Elliker. Reto Gensch ist sein Cousin, Roland Krähenbühl sein Schwager und aus dem käfergeschädigten Wald seines Nachbarn Michael Büchi kam ein Grossteil vom Bauholz. Planer war der Appenzeller Sepp Broger vom Landwirtschaftlichen Bau- und Architekturbüro (LBA) in Weinfelden, das dem Schweizer Bauernverband angehört. Sepp Broger bemerkte, dass das LBA grossen Wert auf eine starke Wertschöpfung von Wald, Holz und Bau legt und Holz durch die Landschaftsverträglichkeit in der Bewilligungsfähigkeit einen Vorteil hat.


Landwirtschaft steht im Zeichen vom Wertschöpfungskreislauf
Der neue Melkviehstall ist 40 Meter lang und 70 Meter breit und wird durch elf Leimbinderachsen verbunden. Eine geschlitzte Bretterschalung sorgt auf der Westseite mit einer lichtdurchlässigen, winddichten und wetterbeständigen PET Recyclingfolie für eine leicht durchlässige Fassade. Der niedrigere Gebäudeteil ist im Moment für 54 Melkkühe ausgelegt, kann aber für 62 Kühe eingerichtet werden. Zum Melken wird ein Fischgratmelkstand für zwei Mal sechs Kühe verwendet. Weil Kälber noch keine so grossen Abwehrkräfte gegen Keime haben, wurde ein spezieller Kälberstall gebaut. Im höheren Gebäudeteil ist das Heu untergebracht, das von der Dachabwärme getrocknet wird. Das anthrazitfarbene Dach mit dem darunterliegenden Sonnendach erwärmt die Luft um acht Grad und durch eine Bodenisolierung unter dem Heustock wird der Wärmeverlust um ein Drittel reduziert. Zudem wird Regenwasser gesammelt und der Melkstand damit gereinigt. „Es wird kein Leitungswasser benötigt, das Wasser ist wärmer als das Grundwasser und setzt zudem kein Kalk im Melkstand an“, sagte Elliker. Zuletzt wird mit dem Wasser die Gülle verdünnt, wodurch sie bodenverträglicher wird, zu weniger Nitratauswaschungen führt und von den Pflanzen besser aufgenommen wird. „Ich bin froh, wenn ich nach 14 Monaten wieder in einen Normalbetrieb komme“, sagte Andreas Elliker.

 

Infokasten :
Andreas Elliker ist seit Sommer 2019 im Nebenamt Stadtrat in Frauenfeld. Im Jahr 2016 übernahm er in vierter Generation den Betrieb in der Erzenholzemer Thurebene, der seit 1996 als Biologischer Landbau bewirtschaftet wird. Der Betrieb hat eine Grösse von 56 Hektaren, wobei über 30 Hektaren Dauergrünland, 6 Hektaren Kunstwiesen und 4,5 Hektaren Ökowiesen sind. Zudem werden 4,5 Hektaren Mais und 9,5 Hektaren Getreide angebaut. Momentan produzieren 53 Kühe jährlich etwa 360´000 Kilogramm Milch.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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