Mitgliederversammlung 2026

19.03.2026 14:28:43

Holzbau ist das Fundament der klimafreundlichen Zukunft

Bei Lignum-Ost standen Vernetzung, Wissensaustausch und der Rohstoff Holz als nachhaltiger Baustoff im Fokus der Mitgliederversammlung 2026 in Wil. Trotz angespannter Marktlage bieten Trends wie Klimaschutz und Hybridbau neue Chancen.

Thomas Güntert

Rund 70 Mitglieder der Wertschöpfungskette Wald und Holz trafen sich bei der S.Müller Holzbau AG in Wil (SG) zur Mitgliederversammlung von Lignum Ost, dem regionalen Verband der Wald- und Holzwirtschaft, der die Regionen Schaffhausen, Thurgau und Teilgebiete der Kantone St. Gallen und Zürich abdeckt. „Wir sind das Fundament für eine nachhaltige und klimaschonende Zukunft“, sagte der Präsident Paul Koch und betonte, dass Wissensaustausch, Vernetzung, Kontaktpflege, sowie das Schaffen neuer Synergien dabei die entscheidenden Faktoren sind. Ebenso wichtig sei aber auch die Begeisterung, den wertvollen Rohstoff Holz in die Öffentlichkeit zu tragen und neue Kunden zu gewinnen. Im vergangenen Jahr führte Lignum Ost für die rund 100 Mitglieder zahlreiche Fachvorträge und Besichtigungen zu speziellen Themen wie Holzenergie, Ascheentsorgung oder politische Vernetzung durch und zeichnete wieder einige Bauobjekte mit dem Label «Schweizer Holz» aus. Erwin Rebmann von der Lignum Holzkette St. Gallen würdigte die gute Zusammenarbeit innerhalb der Branche. Als Beispiel nannte er die Besichtigung des Stadtsägi Areals in St. Gallen, zu der sich Vertreter des Architekturforums Ostschweiz, Lignum Holzkette St. Gallen, Lignum Ost und Energieagentur St. Gallen getroffen hatte. Der Kassier Mathias Rickenbach präsentierte dann die Erfolgsrechnung 2025 sowie das Budget 2026, die einstimmig angenommen wurden.
Die Luft im Holzbau ist rauer geworden
Stefan Müller, Gastgeber und Inhaber der S.Müller Holzbau AG erklärte, dass der Holzbaumarkt nach einem starken Boom wieder angespannter ist. Nachdem in den letzten Jahren stark investiert wurde und genügend Kapazitäten vorhanden waren, führten Unsicherheiten durch globale Krisen insbesondere im Immobilien- und Baubereich zu einer zurückhaltenden Investitionsbereitschaft. Projekte verzögern sich, der Wettbewerb nimmt zu und der Preisdruck steigt an. Müller sieht auch viele Chancen und verweist auf Megatrends wie Nachhaltigkeit und demografische Entwicklungen. Weil in der Schweiz die Bevölkerung weiterwächst, wird insbesondere Wohnraum für kleinere Haushalte benötigt. Gleichzeitig wird Bauland knapper, wodurch verdichtetes Bauen, Umbauten und Aufstockungen an Bedeutung gewinnen. Durch den Fachkräftemangel ergebe sich ein zusätzlicher Druck, effizienter und innovativer zu bauen. „In diesem Bereich bietet der Holzbau grosse Vorteile“, so Müller.
Der Schweizer Weg zur klimafreundlichen Baukultur
„Rund 40 Prozent der CO₂-Emissionen entstehen im Bauwesen“, erklärte Thomas Wehrle, in seinem Referat über den Hybrid-Holzbau, der in der Schweiz mit Holz-Beton-Verbundsystemen, digitalen Bauabläufen und hoher Vorfertigung Massstäbe für nachhaltige Gebäude und urbane Innovation setzt. Der Bereichsleiter Digitaler Holzbau bei der Erne Gruppe zeigte die historische Entwicklung der Bauweisen von Lehm über Holz bis zu Beton und Stahl auf und stellte die Frage, warum denn heute anders gebaut werden sollte. „Die Antwort liegt vor allem im Klimaschutz“, sagte Wehrle. Er sieht eine Lösung im modularen Holz-Hybridbau, bei dem verschiedene Materialien gezielt kombiniert und die jeweiligen Stärken optimal genutzt werden. Holz dient als CO₂-Speicher und eignet sich besonders für Zugzonen, während Beton Druckkräfte übernimmt und thermische Masse liefert. Die industrielle Fertigung von standardisierten Bauteilen erlaubt eine hohe Produktionsgeschwindigkeit, wobei wiederholbare Details Fehlerquellen reduzieren und die Effizienz und Qualitätssicherung steigern. Die Hybridbauweise ermöglicht schnelle Bauzeiten, hohe Präzision durch Vorfertigung und eine gute Energieeffizienz bei gleichzeitig reduzierten CO₂-Emissionen. Ein zentrales Merkmal ist die Rückbaubarkeit und Wiederverwendung solcher Gebäude. Wehrle forderte ein Umdenken in der Baukultur. Es brauche eine frühzeitige Zusammenarbeit aller Beteiligten, eine integrale Projektabwicklung, sowie den Einsatz von neuen Materialien und Technologien. Der Fokus müsse dabei auf Datenqualität und Digitalisierung gelegt werden. Ein Vergleich zwischen der Schweiz und Deutschland zeige, dass Innovation oft weniger an technischen Normen scheitert, sondern eher an rechtlichen Rahmenbedingungen und fehlender Bereitschaft zur Veränderung. „Holz-Hybridbau ist kein Kompromiss, sondern ein konsequenter Schritt in die Zukunft des Bauens“, betonte Wehrle.
Innovative S.Müller Holzbau AG
Im Anschluss an die zweistündige Veranstaltung gab es einen Rundgang durch das neue Betriebsgebäude der S.Müller Holzbau AG, die 2008 mit 15 Mitarbeitenden gegründet wurde. Vier Jahre später wurde die Zimmerei «Werkstoff Holz AG» in Schwarzenbach übernommen, im Jahr 2016 die «VierD AG» gegründet und 2020 die Architektur Abteilung eröffnet. Vor drei Jahren feierte die Firma mit rund 100 Mitarbeitenden das 15- jährige Bestehen und begann mit der Arealentwicklung. Die Firma konnte im letzten Jahr das neue Holzbau Kompetenzzentrum beziehen und beschäftigt rund 130 Mitarbeitende, die jährlich im In- und Ausland rund 500 kleine und grosse Bauprojekte realisieren.

 

 

 


 

 

 

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